Reishi und Heuschnupfen: Wie der Vitalpilz den Körper in der Pollensaison unterstützen kann
- Veronika Fabianova
- 9. März
- 5 Min. Lesezeit
Der Frühling bringt Licht, Bewegung und frische Energie. Gleichzeitig beginnt für viele Menschen eine der anstrengendsten Zeiten des Jahres: die Pollensaison. Juckende Augen, eine laufende Nase oder ein ständiger Niesreiz begleiten den Alltag vieler Allergiker.
Während klassische Therapien häufig auf eine kurzfristige Linderung der Symptome abzielen, interessieren sich immer mehr Menschen für ganzheitliche Ansätze, die den Körper langfristig stabilisieren. In diesem Zusammenhang rückt ein Vitalpilz immer wieder in den Mittelpunkt: Reishi (Ganoderma lucidum).

Der Reishi gehört zu den am intensivsten untersuchten Vitalpilzen der Welt und wird seit Jahrtausenden in der traditionellen asiatischen Medizin geschätzt. Moderne Forschung zeigt heute, dass seine bioaktiven Inhaltsstoffe auf verschiedene Systeme im Körper wirken können, darunter auch Prozesse, die bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielen.
Heuschnupfen aus wissenschaftlicher Sicht
Allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis) gehört zu den häufigsten immunologischen Erkrankungen weltweit. Studien zeigen, dass etwa 10–30 % der Weltbevölkerung saisonale Allergien entwickeln können (Pawankar et al., World Allergy Organization).
Die Symptome entstehen durch eine fehlgeleitete Immunreaktion:
Pollen gelangen über die Schleimhäute in Nase und Augen.
Das Immunsystem erkennt sie fälschlicherweise als Bedrohung.
Antikörper der Klasse IgE aktivieren sogenannte Mastzellen.
Diese setzen Histamin und andere Entzündungsmediatoren frei.
Die Folge sind typische Beschwerden wie:
Niesen
Schleimhautreizungen
tränende Augen
Atemwegsreizungen
Der entscheidende Punkt: Die Symptome entstehen nicht durch die Pollen selbst, sondern durch die übermäßige Reaktion des Immunsystems.
Reishi: ein Vitalpilz mit langer Tradition
Der Reishi trägt in China den Namen Ling Zhi, was sinngemäss „Pilz der spirituellen Kraft“ bedeutet. Historische Quellen belegen seine Nutzung bereits vor über 4000 Jahren.
In der traditionellen chinesischen Medizin galt er als Symbol für Vitalität, Ausdauer und Balance.
Botanisch gehört der Reishi zu den Lackporlingen. Sein glänzender, rotbrauner Fruchtkörper entsteht meist auf abgestorbenem Holz oder Wurzeln von Laubbäumen.
Die moderne Forschung interessiert sich besonders für seine komplexe Zusammensetzung aus bioaktiven Molekülen.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Reishi
Reishi enthält eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die unterschiedliche physiologische Prozesse beeinflussen können.
Polysaccharide
Polysaccharide, insbesondere Beta-Glucane, gehören zu den am besten untersuchten Komponenten von Vitalpilzen.
Sie können:
Immunzellen aktivieren
Makrophagen stimulieren
natürliche Killerzellen unterstützen
Diese Effekte wurden in zahlreichen experimentellen Studien beschrieben (Zhang et al., World Journal of Gastroenterology, 2002).
Triterpene
Reishi enthält über 150 verschiedene Triterpene, darunter die sogenannten Ganodersäuren.
Diese Verbindungen stehen im Zusammenhang mit:
entzündungsregulierenden Effekten
antioxidativen Eigenschaften
möglichen Einflüssen auf die Histaminfreisetzung
Bereits 1985 beschrieben Koda et al., dass bestimmte Triterpene aus Ganoderma lucidum die Histaminfreisetzung beeinflussen können (Chem. Pharm. Bull., 1985).
Adenosin
Adenosin ist ein natürlich vorkommendes Molekül, das eine Rolle im Energiestoffwechsel spielt und mit der Regulation von Durchblutung und Zellkommunikation in Verbindung gebracht wird.
Organisches Germanium
Der japanische Forscher Kazuhiko Asai beschrieb in den 1980er-Jahren erhöhte Konzentrationen von organischem Germanium in Ganoderma lucidum. Dieses Spurenelement wird mit einer verbesserten Sauerstoffnutzung im Körper in Verbindung gebracht.
Weitere Inhaltsstoffe
Zusätzlich enthält Reishi:
Sterole
Peptide und Proteine
Mineralstoffe (z. B. Selen)
B-Vitamine
Diese komplexe Kombination macht den Pilz für die Forschung besonders interessant.
Reishi und allergische Reaktionen
Mehrere experimentelle Studien untersuchten den Einfluss von Reishi-Extrakt auf allergische Reaktionsketten.
Eine Studie von Tasaka et al. (1988) zeigte beispielsweise, dass bestimmte Bestandteile von Ganoderma lucidum die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen hemmen können.
Weitere Arbeiten untersuchten die Wirkung auf entzündliche Signalstoffe wie Prostaglandin E2 (PGE2), die bei allergischen Prozessen eine Rolle spielen.
Tierexperimentelle Untersuchungen konnten ausserdem zeigen, dass Extrakte von Ganoderma lucidum allergische Reaktionen abschwächen können, beispielsweise bei experimentellen Nahrungsmittelallergien.
Diese Ergebnisse machen den Reishi für die Forschung im Bereich Immunmodulation und Allergien besonders interessant.

Reishi und das Immunsystem
Ein zentraler Begriff in der Mykotherapie ist Immunmodulation.
Im Gegensatz zu klassischen Immunsuppressiva, die das Immunsystem unterdrücken, beschreiben Wissenschaftler bei Vitalpilzen häufig eine regulierende Wirkung auf verschiedene Immunzellen.
Das bedeutet:
Bei einer überaktiven Immunreaktion kann eine Regulierung stattfinden.
Bei schwacher Immunantwort kann eine Aktivierung erfolgen.
Dieser regulierende Effekt wird hauptsächlich den Polysacchariden des Pilzes zugeschrieben.
Verbindung zwischen Darm und Allergien
Moderne Immunforschung zeigt eine enge Verbindung zwischen Allergien und dem Zustand des Darmmikrobioms.
Etwa 70–80 % der Immunzellen befinden sich im Darm. Eine stabile Darmflora trägt daher wesentlich zur Regulation des Immunsystems bei.
Interessant ist, dass Polysaccharide aus Reishi auch präbiotische Eigenschaften besitzen können. Sie dienen bestimmten Darmbakterien als Nährstoff und können dadurch das Darmmilieu beeinflussen.
Ein ausgeglichenes Mikrobiom gilt als wichtiger Faktor für eine stabile Immunantwort.
Weitere Bereiche, in denen Reishi untersucht wird
Neben Allergien wird Reishi in der Forschung auch in anderen Bereichen untersucht, unter anderem:
antioxidativer Schutz
Unterstützung der Leberfunktion
Herz-Kreislauf-System
Stoffwechselregulation
Neuroprotektion
Beispielsweise beschrieb eine Studie von Kabir et al. (1988) mögliche Effekte von Ganoderma lucidum auf Blutdruck und Blutfettwerte.
Auch im Bereich der Leberforschung wurde der Pilz untersucht. Eine experimentelle Studie zeigte hepatoprotektive Effekte von Reishi-Polysacchariden bei immunbedingten Leberschäden (Zhang et al., 2002).
Traditionelle Anwendung bei Atemwegen und Allergien
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Reishi häufig eingesetzt, wenn der Körper auf Umweltreize empfindlich reagiert oder das Gleichgewicht der inneren Systeme gestört ist.
Besonders im Zusammenhang mit:
Atemwegsbeschwerden
allergischen Reaktionen
Stressbelastung
Erschöpfung
wird der Pilz traditionell geschätzt.
Sicherheit und Hinweise
Reishi gilt allgemein als gut verträglich. Dennoch gibt es einige Situationen, in denen Vorsicht geboten ist.
Besondere Aufmerksamkeit gilt bei:
Einnahme von Blutverdünnern
gleichzeitiger Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten
sedierenden Arzneimitteln
In solchen Fällen empfiehlt sich eine Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal.
Fazit
Reishi gehört zu den faszinierendsten Vitalpilzen der traditionellen und modernen Naturheilkunde. Seine komplexe Zusammensetzung aus Polysacchariden, Triterpenen und weiteren bioaktiven Molekülen macht ihn für die Forschung besonders interessant.
Studien zeigen Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe von Ganoderma lucidum Prozesse beeinflussen können, die auch bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielen, insbesondere Entzündungsprozesse und Histaminfreisetzung.
Gerade in der Pollensaison suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, ihren Körper gezielt zu unterstützen. Reishi wird dabei häufig als Bestandteil eines ganzheitlichen Ansatzes betrachtet, der Ernährung, Darmgesundheit und Immunbalance einbezieht.
Die moderne Wissenschaft beginnt erst zu verstehen, was traditionelle Medizinsysteme seit Jahrhunderten beschreiben:
Gesundheit entsteht aus Balance.
QUELLEN:
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K.Tasaka,…: „ Antiallergic constituents in the culture medium of Ganoderma lucidum.(II) The inhibitory effect of cyclooctasulfur on histamine release.“; Agents and Actions, vol. 23, 3 / 4 (1988)
Yearul Kabir,…: „Dietary Effect of Ganoderma lucidum Mushroom on Blood Pressure and Lipid Levels in Spontaneously Hypertensive Rats (SHR).“; J. Nutri. Sci. Vitaminol., 34, 433-438, 1988
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Prof. Dr. med. Ivo Bianchi: “Moderne Mykotherapie”; Hinckel Druck, 2008
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