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Bioaktive Peptide in Vitalpilzen: Das unterschätzte Netzwerk hinter den Beta-Glucanen

Autorenbild: Veronika Fabianova
Veronika Fabianova
16. Aug.
7 Min. Lesezeit

Ich sass mit Nikolett in ihrem Labor bei NAJA Forest mit einem Cappuccino in der Hand, und dachte, ich wüsste ziemlich genau, was einen guten Vitalpilzextrakt ausmacht. Beta-Glucane, dachte ich. Das war meine ganze Antwort.

Nikolett hat mich damals korrigiert. Sie holte eine Grafik hervor, auf der neben den Beta-Glucanen ein ganzes Netzwerk aus Aminosäuren, Triterpenen, Polyphenolen und etwas stand, das ich noch nie gehört hatte: bioaktive Peptide. Kurze Ketten aus Aminosäuren, die im Fruchtkörper still ihre Arbeit tun, während alle Aufmerksamkeit auf die grossen, bekannten Molekülgruppen gerichtet ist.

Dieses Gespräch habe ich später mit Dr. Matthias Kraft in Adliswil weitergeführt. Meine eigene Entwicklung der letzten Jahre (mehr Energie, ein ruhigerer Kopf, weniger Nachmittagsmüdigkeit) lässt sich nicht auf eine einzelne Substanz zurückführen. Vitalpilze wirken als Ganzes.

In diesem Artikel zeige ich, was bioaktive Peptide in Vitalpilzen genau sind, was die Forschung heute weiss und warum es sich lohnt, über Beta-Glucane hinauszudenken.

Was sind bioaktive Peptide?

Bioaktive Peptide sind kurze Aminosäureketten, die auch in Vitalpilzen vorkommen. Sie ergänzen die bekannteren Stoffgruppen wie Beta-Glucane, Triterpene oder Polyphenole. Die Forschung dazu ist spannend, steckt bei vielen Pilzarten aber noch in einer frühen Phase: Ein grosser Teil der Erkenntnisse stammt aus Labor- und präklinischen Studien.

In der Molekularbiologie hat sich das Bild von Peptiden in den letzten Jahren stark verändert. Früher galten viele von ihnen als reine Abbauprodukte von Proteinen, quasi molekularer Abfall. Heute weiss man, dass zahlreiche dieser kleinen Moleküle bei der Kommunikation zwischen Zellen, der Regulation des Immunsystems, Entzündungsprozessen und dem Stoffwechsel mitmischen.

Peptidbasierte Therapien gehören inzwischen zu den aktivsten Forschungsfeldern der modernen Medizin. Einige Peptide sind bereits als Arzneimittel zugelassen, andere befinden sich in klinischer Entwicklung. Für viele Anwendungen fehlen noch langfristige Sicherheitsdaten am Menschen, synthetische Peptide müssen deshalb immer anhand der klinischen Evidenz für das jeweilige Molekül beurteilt werden.

Parallel dazu untersucht die Forschung zunehmend natürlich vorkommende Peptide: aus Milch, Soja, Getreide, Meeresorganismen und eben auch aus Vitalpilzen.

Das Peptidom: eine Welt, die erst seit Kurzem sichtbar wird

Die Gesamtheit aller natürlich vorkommenden Peptide eines Organismus nennt man Peptidom. Die dazugehörige Forschungsdisziplin, die Peptidomik, ist ein junger Zweig der Proteomik. Ihr Ziel: natürliche Peptide identifizieren, ihre Menge bestimmen und ihre biologische Funktion verstehen.

Dazu zählen etwa regulatorische Peptide, durch Enzyme abgespaltene Proteinfragmente sowie antimikrobielle, immunmodulierende und antioxidative Peptide.

Lange galten diese Moleküle als Nebensache. Erst mit der Entwicklung hochauflösender Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie (LC-MS/MS) wurde sichtbar, wie viele davon eine eigenständige biologische Aktivität besitzen können. Bei Vitalpilzen ist diese Forschung noch jung. Interessant wird sie erst seit etwa zehn bis 15 Jahren.

Fragen Sie sich manchmal, warum ein Extrakt aus dem ganzen Pilz mehr bringen könnte als eine einzelne herausgelöste Substanz? Schreiben Sie uns gerne eine Nachricht, ich erkläre Ihnen den Unterschied in einfachen Worten.


Was zeigt die Forschung zu einzelnen Vitalpilzen

Reishi: LZ-8 und ein komplexes Zusammenspiel

Ganoderma lucidum, in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit über 2.000 Jahren verwendet, gehört zu den am gründlichsten erforschten Vitalpilzen überhaupt. Sein Fruchtkörper enthält, je nach Anbaubedingungen, etwa 10 bis 20 Prozent Protein bezogen auf die Trockenmasse.

Reishi-Lingzhi-Ganoderma lucidum-Vitalpilz

Die bekannteste bioaktive Proteinverbindung heisst LZ-8 (Ling Zhi-8), ein kleines Protein aus rund 110 Aminosäuren. In Laboruntersuchungen wurde LZ-8 im Zusammenhang mit T-Zell-Antworten und Zytokinproduktion untersucht. Weitere aus Reishi isolierte Peptide zeigten in Zellstudien antioxidative Eigenschaften, Mechanismen wie das Abfangen freier Radikale spielen dabei eine Rolle.

Was mich an Reishi immer wieder fasziniert: Er zeigt besonders deutlich, dass seine biologische Aktivität vermutlich aus dem Zusammenspiel vieler Komponenten entsteht, das heisst Beta-Glucane, Triterpene, Peptide, Aminosäuren, Polyphenole gemeinsam, nicht ein einzelner Stoff allein.

Cordyceps: Peptide und Energiestoffwechsel

Cordyceps sinensis, oder auch Raupenpilz genannt, wächst in den Hochgebirgsregionen des Himalayas und hat eine lange Tradition in der tibetischen und chinesischen Heilkunde, traditionell verbunden mit Vitalität, Ausdauer und Widerstandskraft.


Cordyceps sinensis- Raupenpilz

Aus Cordyceps wurden verschiedene bioaktive Peptidfraktionen isoliert. Die Forschung interessiert sich hier besonders für den zellulären Energiestoffwechsel: ATP-Produktion, mitochondriale Funktion, Sauerstoffverwertung. Die Peptidforschung steht bei Cordyceps allerdings noch am Anfang, stärker belegt sind bislang die Polysaccharide und Nukleoside, allen voran Adenosin.

Persönlich ist Cordyceps für mich der Pilz, den ich morgens am meisten spüre. Ob das an den Peptiden liegt, den Nukleosiden oder dem Zusammenspiel von beidem, kann heute noch niemand seriös sagen.

Hericium: Peptide treffen auf Neurobiologie

Hericium erinaceus, bei uns bekannt als Igelstachelbart oder Lion's Mane, wird in der modernen Forschung vor allem wegen zweier Stoffgruppen untersucht: Hericenone (hauptsächlich im Fruchtkörper) und Erinacine (vor allem im Myzel). Beide werden hinsichtlich ihres möglichen Einflusses auf den Nervenwachstumsfaktor NGF erforscht, der beim Erhalt neuronaler Verbindungen eine Rolle spielt.

Lion's Mane- Hericium erinaceus-Igelstachelbart-Löwenmähne

Die Protein- und Peptidfraktionen von Hericium sind bislang weniger gut untersucht als Hericenone und Erinacine. Ein Forschungszweig, der mich besonders beschäftigt hat, ist die Darm-Hirn-Achse: Das Mikrobiom steht über immunologische Prozesse und den Neurotransmitterstoffwechsel mit dem Nervensystem in Verbindung, und Beta-Glucane aus Hericium könnten präbiotisch wirken.

Maitake, Chaga, ABM: drei eigene Geschichten

Maitake (Grifola frondosa) bringt eine Besonderheit mit: Seine bekannteste Komponente, die sogenannte D-Fraktion, ist kein reines Polysaccharid, sondern ein Proteoglykan-Komplex – Zucker- und Proteinketten verbunden. Untersucht werden unter anderem Veränderungen der Immunzellfunktion sowie der Zusammenhang mit Glukosestoffwechsel und Insulinsensitivität als Forschungsgegenstand – belastbare Aussagen zu konkreten Effekten beim Menschen stehen hier noch aus. Traditionell werden sie aber seit Jahrhunderten benützt.

Chaga (Inonotus obliquus) wächst auf Birken in kalten Regionen und ist reich an Polyphenolen und Melanin-Komplexen. Bei Peptiden aus Chaga-Proteinhydrolysaten interessiert die Forschung sich vor allem für antioxidative Kapazität und Metallionenbindung, oft im Zusammenhang mit dem körpereigenen Nrf2-ARE-Schutzsystem.

Agaricus blazei (ABM), ursprünglich aus Südamerika, liefert eines der konkretesten Beispiele der letzten Jahre: Eine 2023 publizierte Untersuchung isolierte per enzymatischer Extraktion eine 3 bis 5 kDa grosse Peptidfraktion mit hoher Reinheit, bei der in Labortests antioxidative Aktivität beobachtet wurde. Bestimmte Fraktionen wurden zusätzlich hinsichtlich ihrer Wirkung auf Makrophagen und Zytokinmarker wie IL-6 untersucht – die Ergebnisse stammen dabei überwiegend aus Labor- und präklinischen Modellen.

Wenn Sie tiefer in die Wirkstoffwelt einzelner Pilze einsteigen möchten, lesen Sie auch unseren Artikel über Cordyceps, der Pilz, der die Leichtathletik-Welt sprachlos machte



Warum ein Vollspektrum-Extrakt wissenschaftlich Sinn ergibt

Was mir nach zwei Jahren mit Nikolett und den Gesprächen mit Dr. Kraft am meisten geblieben ist: Die Natur liefert ihre bioaktiven Moleküle als System. Beta-Glucane, Peptide, Polysaccharide, Triterpene, Polyphenole und Nukleoside kommen gemeinsam vor, in einer natürlichen Matrix, die sich nicht ohne Weiteres auf einen einzelnen Bestandteil reduzieren lässt.

Beta-Glucane werden hinsichtlich der Aktivierung bestimmter Immunzellrezeptoren untersucht. Peptide scheinen antioxidative und regulatorische Prozesse zu beeinflussen. Polyphenole stehen im Zusammenhang mit oxidativem Stress. Wie stark diese Stoffgruppen sich tatsächlich gegenseitig verstärken, ist wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt – aber genau diese Komplexität ist der Grund, warum ich seit Jahren auf Vollspektrum-Extrakte aus dem ganzen Fruchtkörper setze, statt auf isolierte Einzelstoffe.

Natürliche und synthetische Peptide: der wichtige Unterschied

Natürliche Pilzpeptide sind biologischen Ursprungs, liegen als vielfältige Mischung vor und sind Teil einer komplexen Matrix. Synthetische Peptide dagegen werden im Labor mit einer exakt definierten Aminosäuresequenz hergestellt, oft für einen einzelnen, gezielten Angriffspunkt und in höheren Konzentrationen.

Peptide sind als Molekülklasse für sich genommen unbedenklich. Risiken entstehen vor allem dort, wo synthetische Peptide hoch dosiert, ohne geeignete Indikation oder ohne medizinische Begleitung eingesetzt werden. Bei natürlichen Pilzpeptiden aus einem Vollspektrum-Extrakt bewegen wir uns in einem anderen Kontext: einer natürlichen Konzentration, eingebettet in die gewachsene Matrix des Fruchtkörpers.

So können Sie das Thema für sich einordnen

Ein paar Gedanken, die mir persönlich helfen, wenn ich Kundinnen und Kunden dieses Thema erkläre:

  • Ein Vitalpilzextrakt lässt sich wissenschaftlich kaum auf einen einzelnen Wirkstoff reduzieren – Beta-Glucane sind ein wichtiger, aber eben nur ein Teil des Bildes.

  • Vollspektrum bedeutet: Fruchtkörper, nicht isoliertes Molekül. Das entspricht auch dem, was traditionell über Jahrhunderte verwendet wurde.

  • Bei Studien lohnt sich immer der Blick auf die Studienart: Zellstudie, Tierstudie oder Humanstudie sind drei sehr unterschiedliche Aussagestufen.

  • Gesundheitsbewusste Routinen wirken meist im Zusammenspiel – Ernährung, Schlaf, Bewegung und ein hochwertiger Extrakt ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Peptiden in Vitalpilzen

Was sind bioaktive Peptide in Vitalpilzen genau?

Bioaktive Peptide sind kurze Aminosäureketten, die natürlich im Fruchtkörper von Vitalpilzen vorkommen. Sie werden aktuell unter anderem hinsichtlich antioxidativer und immunregulierender Eigenschaften erforscht, zusätzlich zu den bekannteren Beta-Glucanen.

Sind Peptide aus Vitalpilzen dasselbe wie synthetische Peptide?

Nein. Natürliche Pilzpeptide entstehen als vielfältige Mischung innerhalb der gewachsenen Matrix des Fruchtkörpers. Synthetische Peptide werden im Labor mit einer exakt definierten Sequenz hergestellt und sind wissenschaftlich anders zu bewerten.

Welcher Vitalpilz enthält die meisten erforschten Peptide?

Am umfassendsten erforscht ist derzeit Reishi mit dem Protein LZ-8. Auch bei Agaricus blazei und Chaga wurden in den letzten Jahren konkrete Peptidfraktionen isoliert und in Labortests untersucht.

Wie unterscheidet sich ein Vollspektrum-Extrakt von einem isolierten Beta-Glucan-Präparat?

Ein Vollspektrum-Extrakt wird aus dem gesamten Fruchtkörper gewonnen und enthält neben Beta-Glucanen auch Peptide, Triterpene, Polyphenole und weitere Verbindungen. Ein isoliertes Präparat konzentriert sich meist auf eine einzelne Stoffgruppe.

Gibt es Humanstudien zu Peptiden aus Vitalpilzen?

Für die meisten der hier beschriebenen Peptidfraktionen liegen bislang überwiegend Zell- und Tierstudien vor. Umfangreiche klinische Humanstudien fehlen für viele Fragestellungen noch, ein Bereich, in dem die Forschung aktuell aktiv weiterarbeitet.

Wo werden Verovitalis-Extrakte hergestellt?

Unsere Extrakte entstehen in Zusammenarbeit mit NAJA Forest in Ungarn unter der wissenschaftlichen Leitung von Nikolett Szabó, alkoholfrei, chitinfrei und BIO-zertifiziert aus dem vollen Fruchtkörper.

Fazit: Vitalpilze sind mehr als ihre bekannteste Substanz

Über Jahrzehnte standen Beta-Glucane, Polysaccharide und Triterpene im Zentrum der Vitalpilzforschung. Mit der Peptidomik wird sichtbar, dass Pilze zusätzlich über ein Netzwerk aus natürlichen Proteinen und bioaktiven Peptiden verfügen, das erst begonnen hat, seine Geheimnisse preiszugeben.

Bei Reishi ist LZ-8 heute gut charakterisiert. Bei Cordyceps werden Peptide gemeinsam mit dem Energiestoffwechsel erforscht. Bei Hericium stehen Erinacine und der NGF-Signalweg im Vordergrund, während die Peptidforschung noch jung ist. Maitake liefert interessante Protein-Polysaccharid-Komplexe, Chaga wird intensiv bei oxidativem Stress untersucht, und bei Agaricus blazei wurden bereits konkrete Peptidfraktionen isoliert.

Als ich Nikolett das letzte Mal besucht habe, hat sie einen Satz gesagt, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht: Wir wissen heute, dass dieses molekulare Netzwerk existiert – und beginnen erst zu verstehen, welche Bedeutung es haben könnte. Genau in diesem "Beginnen" liegt für mich der Reiz an diesem Feld.

Unsere sechs Vitalpilzextrakte – Reishi, Hericium, Cordyceps, Chaga, Maitake und ABM – sowie unsere Komplexe MycoFlow und MycoVitalis werden genau nach diesem Vollspektrum-Prinzip hergestellt: aus dem ganzen Fruchtkörper, alkoholfrei, chitinfrei, BIO-zertifiziert und von AGROLAB laborgeprüft.

Wenn Sie neugierig sind, welches Zusammenspiel für Ihre persönliche Situation passen könnte, werfen Sie gerne einen Blick in unseren Shop oder schreiben Sie uns direkt.


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QUELLEN ───────

Souza ACS et al. (2017): Agaricus blazei Bioactive Compounds and Their Effects on Human Health: Benefits and Controversies. Current Pharmaceutical Design. PMID 28103773.

Zhang H et al. (2023): Recent Advances in the Preparation, Structure, and Biological Activities of β-Glucan from Ganoderma Species. Foods. PMID 37569244.

Knežević A et al. (2022): Antioxidant, antibacterial, antitumor, antifungal, antiviral, anti-inflammatory, and neuroprotective activity of Ganoderma lucidum: An overview. Frontiers in Pharmacology. Vlassopoulou M et al. (2021): Effects of fungal beta-glucans on health – a systematic review of randomized controlled trials. Food & Function. PMID 33876798.

Hetland G et al. (2020): Antitumor, Anti-Inflammatory and Antiallergic Effects of Agaricus blazei Mushroom Extract and Related Medicinal Mushrooms. Nutrients. PMID 32397163.

Kim YW et al. (2005): Anti-diabetic activity of beta-glucans and their enzymatically hydrolyzed oligosaccharides from Agaricus blazei. Biotechnology Letters. PMID 15928854.

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